Pommes und  Schienensatzverkehr 

Die jeweiligen Funktionen der beiden Luken des Imbisses im Strandbad Müggelsee waren eigentlich eindeutig und auch für Besucher mit beginnenden Sonnenstich durchaus verständlich.  Über der Luke rechts stand in großen Buchstaben geschrieben  „ Bestellen und Bezahlen“  und über der Luke links daneben „ Abholen“.  Sogar mir erschloss sich das bei etwa 40 Grad in der Sonne relativ schnell. Ich bestellte und bezahlte einmal Pommes und einen Kaffee. „Halt nicht so schnell“ wurde ich zurück gerufen, denn den Kaffee gab es dann doch sofort in der Bestellluke.  Ich sah wie fast im selben Moment jemand in der  Abholluke  auch schon eine Tüte Pommes herausreichte.  „Dit sind aba noch nich ihre“  wurde mein Appetit erst einmal gebremst.  „Alles schick “ meinte ich und stellte mich zwischenzeitlich vor eins der geschlossenen Fenster seitlich der Abholluke. Vergilbte, gekrümmte  schwarz-weiß Ansichtskarten  von irgendwann und irgendwo, von DDR – Campingplätzen und sogar aus Vorkriegszeiten waren vom innen unkoordiniert ans Fenster geklebt.  Und zwischendrin war ein verblasster Artikel über die Geschichte des Strandbades Müggelsee , dass wohl in seiner ersten Version zu Kaisers Zeiten als „Waldbad Rahnsdorf“  mal an den Start bzw. an den Strand gegangen ist, geradeso lesbar.

„Ihre Pommes sind jetzt soweit“ wurde ich ins Jetzt zurück gerufen.  „Gut Ich hab mich in der Zwischenzeit über die Geschichte  des Strandbades informiert“  erklärte ich ungefragt. „Jeschichte, Jeschichte da jibt es ne Jeschichte zu ?“.kommentierte die Mitarbeiterin , die den Text offensichtlich nicht da dran geklebt hat  .“Ja“ erläuterte ich begeistert „Schon 1909 wurde hier geplanscht und um 1930 in der Spätphase der Weimarer Republik hat die Anlage im wesentlichen ihre heutige Form…“  „ Also wie nun Mayo oder Ketchup ?“ wurde ich unterbrochen. „Beides bitte“  „ Jut …. Und Juten Appetit“

Die Pommes schmeckten so gut, wie Pommes eben schmecken können. Der Kaffee war in der Zwischenzeit kalt. Und vor allem wurde ich daran erinnert.  Die Frage ob Ketchup oder Mayo ist manchmal viel unmittelbarer als irgendwelche historischen Zusammenhänge. Und für Geschichte und Geschichten braucht –neben ein wenig Interesse- was ganz wertvolles: Man  muss eben gerade Zeit dafür haben.

 

Der Rückweg nach Friedrichshain gestaltete sich wegen „Schienersatzverkehrs mit Bussen“  der S-Bahn zwischen Köpenick und dem Ostkreuz etwas zeitraubender  als üblich Hierfür muss man noch viel mehr Zeit haben . Und weil das mit den Bussen immer so betont wird, stellt sich die  die Frage : welchen Ersatzverkehr gibt es denn vielleicht noch außer den mit Bussen.  ? Und was macht man in der Zwischenzeit ? Aber das ist wieder eine ganz andere Geschichte.